Geschichte Australiens

Geschichte Australiens

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Frühgeschichte

Vor ca. 56.000 Jahren dürften die ersten Ureinwohner aus dem süd- bzw. südostasiatischen Raum in Australien eingewandert sein. Vielleicht sogar schon vor 120.000 Jahren. Von einer vollständigen Besiedlung geht man ab 30.000 v.Chr. aus. Ermöglicht wurde diese Einwanderung aus Asien durch zahlreiche Landbrücken. Diese waren entstanden, als der Meeresspiegel aufgrund der Eiszeit um einige Meter absank. Zahlreiche Wissenschaftler gehen auch davon aus, dass viele Einwanderer mittels Flöße oder kleiner Boote die seichten Wasserstraßen überwinden konnten. Beweise dafür gibt es aber nicht. Nach dem Ende der Eiszeit stieg der Meeresspiegel wieder und die Aborigines (von lat. „ab origine“ , jemand, der von Beginn hier lebte) waren über Jahrtausende in Australien isoliert. Die ersten Einwanderer fanden ein feuchteres Klima als heute vor, sodass sich der gesamte Kontinent als Lebensraum eignete. Durch die Erderwärmung waren die Aborigines jedoch gezwungen sich an die teilweise extremen Bedingungen anzupassen. Vor 200 Jahren lebten noch ungefähr 300.000 Ureinwohner als Jäger und Sammler in Australien.

Die Entdeckung

Bereits vor seiner Entdeckung vermuteten zahlreiche Gelehrte die Existenz eines Südkontinents. Dieses, so glaubte man, sollte als Gegengewicht zur nördlichen Erdhälfte dienen. Auch Ptolemäus unterstützte diese Symetriethese und bekräftigte die Vorstellung von einem unbekannten Land („Terra Australis Incognita“).

Möglicherweise trafen chinesische Seefahrer während ihrer Fahrten nach Afrika und Indonesien bereits im 9. Jahrhundert auf den Kontinent. Ab dem 11. Jahrhundert suchten Fischer aus Makassar vor der Nordküste Australiens nach der Delikatesse Trepang (Seewalzen). 1292 berichtete Marco Polo von einem Gold und Muschelreichen Land südlich von Java. Vermutlich landeten Portugiesen im Jahr 1516 als Erster an der australischen Küste, da sie keine 500 km entfernt eine Niederlassung auf Timor gründeten. Aber auch die Spanier kamen im 17. Jahrhundert immer wieder in die Nähe Australiens.

Im Jahr 1606 landete der niederländische Kapitän Willem Jansz an der australischen Nordküste. Dies ist der erste zuverlässige Bericht. 1622 erreichte die „Leeuwin“ die Südwestspitze des Kontinents. 1623 wurde das Arnhemland (benannt nach dem Schiff Arnhem) von Jan Carstensz und Dirk Meliszoon erkundet. Eine große Entdeckung machte Abel Tasman im Jahr 1642 als er den australischen Kontinent umrundete und dabei Tasmanien entdeckte. Er benannte es zu Ehren seines Auftraggebers „Van Diemen’s Land“ (1853 wurde die Insel letztendlich nach dessen Entdecker umbenannt). Durch die späteren guten Kenntnisse des südlichen Küstenverlaufs Australiens benannten holländische Seefahrer dieses Gebiet als Neu-Holland, zeigten aber kaum Interesse an einer Besiedlung.

Aufgrund der Verlagerung der Machtverhältnisse durch den Dreißigjährigen Krieg (1618 – 1648) führten die Briten die Erkundungsfahrten der Holländer weiter. William Dampier war der erste Brite vor Australien. Als Abenteuerschriftsteller suchte er auf dieser Reise nach neuem Material. Nach einigen Erkundungen der Nordwest- und Westküste verschwand er wieder. Auch der Niederländer William de Vlamingh erforschte den Australischen Kontinent. Er benannte die Rottnest Island vor Perth sowie den Swan River. Ende des 17. Jahrhunderts war der Küstenverlauf des Kontinents ungefähr bekannt, doch zeigte niemand Interesse am Land, da es weder Gold noch Gewürze zu bieten schien. In der zweiten Hälfte tauchten auch die Franzosen auf. Louis Antoine de Bougainville wollte die Ostküste für Frankreich beanspruchen, musste aber wegen der Hindernisse, die das Great Barrier Reef bat, seinen Kurs ändern.

Mit dem Auftrag den Südkontinent zu erkunden und ihn in Besitz zu nehmen verlies James Cook mit seinem Schiff, der „Endeavour“, die englische Küste. Am 21. August 1770 nahm Cook im Namen des britischen Königs Georg III. den gesamten Osten des Landes in Besitz und gab ihm den Namen „New South Wales“. Damit ebnete er den Weg, dass der spätere Gouverneur Arthur Phillip 1788 die erste Strafkolonie in Australien errichten konnte.

In den Jahren 1798 und 1799 bewiesen die beiden Seefahrer Matthew Flinders und George Bass durch die Umsegelung von „Van Diemen’s Land“, dass Tasmanien eine Insel und nicht Teil des Australischen Festlandes ist. Auch dass der Kontinent Australien heißt ist dem Vorschlag Matthew Flinders zu verdanken.

Nachdem der Küstenverlauf Australiens weitgehend bekannt war wurden immer mehr Erkundungen im Landesinneren durchgeführt. Neben der wissenschaftlichen Motivation erhoffte man sich vor allem Profit und Landgewinn von den Expeditionen.

Durch zahlreiche Expeditionen war der Kontinent um 1880 weitgehend erforscht. Bis in die 1930er-Jahre gab es jedoch noch immer abgelegene Gebiete, die noch  niemand gesehen hatte. Diese Regionen konnten erst aus der Luft erkundet werden.

Die Besiedlung

Die Besiedlung der Südostküste, die James Cook 1770 zum Besitz der britischen Krone erklärte, begann mit der Sträflingskolonie im Gebiet wo heute Sydney liegt. Die ersten 1.000 Strafgefangene gingen am 16. Januar 1788 an Land und der Gouverneur der neuen englischen Kolonie gründete die erste Niederlassung in Australien. Dies war der Beginn des „Weißen Australiens“ und der 26. Januar ist heute ein Nationalfeiertag (Australia Day). In den 80 Jahren der Deportation wurden etwa 137.000 Männer und ca. 25.000 Frauen auf den Kontinent gebracht. Ab dem Jahr 1793 folgten die ersten Siedler. Sie brachten Merinoschafe aus Südafrika und England mit und machten die Schafzucht zur wirtschaftlichen Basis der neuen Kolonie. Die Strafgefangenen wurden dabei als billige Arbeitskräfte eingesetzt.

Als erste Kolonie erhielt Victoria im Jahr 1851 die innere Autonomie, die in den folgenden Jahren auch anderen Kolonien zugesprochen wurde. Westaustralien bekam sie jedoch erst 1890. Goldfunde in Summerhill Creek, an den westlichen Ausläufern der Blue Mountains, lösten ein großes Goldfieber aus. Mindestens 500.000 Menschen ließen sich davon anstecken und kamen nach Australien. Dies führte dazu, dass neben einfachen Landwirten und Händlern nun auch Angehörige der Mittelschicht in das Land kamen. Diese trugen einen wesentlichen Beitrag bei der Schaffung eines modernen Staatswesens. Durch diese Einwanderungswelle verdreifachte sich die Weiße Bevölkerung auf 3,8 Millionen im Jahr 1901. Dies wirkte sich jedoch nachteilig auf die Aborigines aus, denn durch die Ausbreitung der Weißen verloren sie Land und ihre Bevölkerungszahl schrumpfte deshalb von 300.000 im Jahr 1750 auf nur noch 60.000 im Jahr 1920.

Ein großes Problem stellte die Buschräuberei im 19. Jahrhundert dar. Sträflinge, denen die Flucht aus den Straflagern gelang, zogen sich in den undurchdringlichen Busch zurück und sorgten durch Raubüberfälle für ihren Lebensunterhalt. Am schlimmsten waren die bandenmäßig organisierten Räuber auf Van Diemen’s Land. Oftmals wurden auch Goldtransporte und Postkutschen aus dem Hinterhalt angegriffen und ausgeraubt. Erst durch die Erschließung des Landes mit Telegraphen und der Eisenbahn nahm die Buschräuberei ihr Ende.

Eigenständiger Staat

Nachdem die Kolonien die Selbstverwaltung erhalten hatten wurde im Juli 1900 eine bundesstaatliche Verfassung von der Bevölkerung angenommen und von der Queen Victoria von England gebilligt. So kam es zur Vereinigung der australischen Kolonien zum Commonwealth of Australia (Australischer Staatenbund) am 1. Januar 1901. Da sich Sydney und Melbourne um den Titel der Bundeshauptstadt stritten einigte man sich auf ein Gebiet zwischen den beiden Metropolen. Hier musste die Hauptstadt Canberra jedoch erst erbaut werden. Staatsoberhaupt blieb weiterhin die britische Königin Victoria, doch war trotzdem ein neuer Staat entstanden. Die Unabhängigkeit Australiens wurde jedoch erst 1931 endgültig festgeschrieben. Die Verfassung orientierte sich an denen der USA und Großbritanniens und war für damalige Verhältnisse außerordentlich liberal gestaltet. Den Aborigines wurden jedoch keinerlei Rechte zugesprochen.

1899 bis 1918 unterstützten australische Soldaten die Briten im Kampf gegen die Buren in Südafrika. Aber auch im Ersten Weltkrieg (1914 – 1918) kämpften sie auf der Seite Großbritanniens gegen die Deutschen und deren Verbündete. Die deutschen Kolonien Neuguinea, Samoa und das Bismarckarchipel im Pazifik wurden von Australien besetzt. Der Kampf gegen die Truppen des Osmanischen Reiches am 24. April 1915 endete für das australisch-neuseeländische Expeditionsheer mit einer Katastrophe. Seitdem ist der 24. April nationaler Feiertag (ANZAC-Day). Nach dem Krieg wurden Australien Neuguinea und die deutschen Inseln südlich des Äquators zugesprochen.

Wegen der Bedrohung durch die Japaner trat Australien auch in den Zweiten Weltkrieg ein. Sie kämpften in Griechenland, auf Kreta und in Nordafrika gegen deutsche und italienische Truppen auf Seite der Alliierten. 1942 wurde Australien zum ersten und einzigen Mal in die kriegerischen Handlungen involviert, denn die Stadt Darwin wurde von der japanischen Luftwaffe bombardiert. Mit amerikanischer Waffenhilfe war die Gefahr einer japanischen Invasion aber gebannt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg schloss Australien mit den USA und Neuseeland den ANZUS-Pakt (Australia, New Zealand, USA) ab. Dieses Verteidigungsbündnis war auch der Grund dafür, dass Australien zwischen 1950 und 1953, 14.000 Soldaten in den Koreakrieg entsandte. Auch am Vietnam-Krieg war das Land zwischen 1962 und 1972 mit ungefähr 50.000 Soldaten beteiligt. Aber auch als UNO Friedenstruppen waren Australier in Somalia (1993) oder Osttimor (1999) stationiert. In der frühsten Vergangenheit nahm Australien an einer Friedensmission in Afghanistan und auch am Irak-Krieg teil.

Im 20. Jahrhundert änderte Australien seine Einwanderungspolitik und lies ab 1966 einige Hunderttausend Asiaten in das Land einreisen. Das Prinzip des „Weißen Australien“ wurde damit abgelegt. Die Diskriminierung Farbiger durch die Einwanderungsbehörden ist aber bis heute gängige Praxis. Zu australischen Bürgern wurden die Aborigines im Jahr 1960. Sie hatten damit Recht auf Sozialleistungen. Bis 1967 erhielten sie auch das Wahlrecht und sämtliche australischen Bürgerrechte.

1999 stimmten 55 % der Australier für das Beibehalten der Monarchie. Ein  Grund dürfte die Sorge vor einem Parteienstaat gewesen sein. Außerdem befürchtete man, dass sich eine Republik mit eigenem Staatspräsidenten zu sehr an seine asiatischen Nachbarn annähern würde und die Mehrheit der Weißen dadurch gefährdet gewesen wäre.

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