Melbourne – Carlton

Melbourne – Carlton

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Oberhalb des Stadtzentrums findet man den von italienischstämmigen Bewohnern dominierten Stadtteil Carlton. Dies zeigt sich nicht nur an den Gesichtern, denen man dort auf der Straße begegnen kann und an manchem temperamentvollen Streit, dessen Zeuge man eventuell wird, sondern insbesondere auch an der gastronomischen Kultur Carltons.

Die Espressobars und Restaurants, die in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts von italienischen Einwanderern eröffnet worden waren, stellten zu dieser Zeit eine revolutionäre Neuerung dar. So war es auch kein Wunder, dass diese Häuser sich bald zu populären Treffpunkten etabliert hatten, ein Umstand, der sicherlich der Tatsache zu verdanken ist, dass der Kampf um Reputation die italienischen Gastwirte zu hoher Qualität bei moderaten Preisen motivierten.

So war Carlton in den 60ern das Bohemeviertel Melbournes, ein Tummelplatz von Immigranten, Studenten der benachbarten Uni und Künstlern.

Im Laufe der späteren Jahrzehnte musste sich der Stadtteil allerdings noch einem Wandel unterziehen – die Preise in den Restaurants stiegen unaufhörlich, doch waren weder Innovation noch Qualität dazu angetan, dies in den Augen der Besucher zu rechtfertigen. So schwang die starke Gastronomie dieses Stadtteils langsam am, und Milkbars und Gelaterias machten Boutiquen, Buchläden und ausgefallenen Haarstudios Platz, Geschäfte, welche sich nun statt dem ehemaligen Einwanderercharakter in gehobener Klasse etablieren konnten.

Dennoch ist die Lygon Street in Carlton noch heute das Zentrum italienischer Küchenkultur in Melbourne, und man findet dort eine Unzahl von Bistros und Restaurants sowie auch einige exzellente Gelaterias.

Es ist allerdings eine Tatsache, dass auch räumlich relativ eng gesteckte ethnische Grenzen in Melbourne scheinbar andere Auswirkungen haben als anderswo – man wird kaum auf das befremdliche Gefühl stoßen, welches einen in anderen Städten eventuell in einem von einer ethnischen Gruppe dominierten Stadtteil erwartet. Dies liegt wahrscheinlich nicht zuletzt an der traditionell starken italienischen Gastronomie in der Stadt, welche eine Kultur von Gastfreundschaft und Freundlichkeit pflegt.

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